Eine Frau zerbricht sich den Kopf während ihr Hund mit ihr Gassi gehen will als Blogbild für Psychologische Beratung in Bonn

„Die Wirklichkeit anders haben zu wollen als sie ist, ist aussichtslos“(Byron Katie)

Wussten Sie, dass uns etwa 60 000 Gedanken täglich durch den Kopf gehen? Die meisten davon unbewusst und unkontrolliert. Wir erwachen und unser Denken setzt ein. Ein Großteil dieser Gedanken ist nicht gerade aufbauend, im Gegenteil. „Mein Partner sollte mir besser zuhören, ich sollte jünger (erfolgreicher, organisierter, sportlicher, hübscher oder was auch immer) sein, das Wetter sollte nicht zu heiss oder zu grau sein, mein Vorgesetzter sollte meine Leistungen anerkennen, meine Kinder sollten im Haushalt mithelfen und nicht alles herumliegen lassen“ … usw. usw…  Kein Wunder, dass wir uns deprimiert und erschöpft fühlen. Mit diesen Gedanken möchten wir die Wirklichkeit anders haben, als sie ist.

Byron Katie – US-amerikanische Lehrerin und Autorin – sagt in ihrem Buch „Lieben was ist“: „Wir leiden nur dann, wenn wir einen Gedanken glauben, der mit dem streitet, was ist. Ein Gedanke ist solange harmlos, bis wir ihn glauben. Es sind nicht unsere Gedanken, sondern das Anhaften an unsere Gedanken, das Leiden verursacht. Einem Gedanken anzuhaften bedeutet, ihn für wahr zu halten, ohne dies überprüft zu haben.“

Und diese Überprüfung zeigt Byron Katie mit 4 einfachen Fragen, die sie „The Work“ nennt.

Kommen Sie, ich nehme Sie mit auf ein Gedankenspiel:

Meine Tochter ist von Sternzeichen Steinbock durch und durch. Dazu ist sie sehr kreativ und sprudelt über von neuen Ideen. Wenn es nach ihr ginge, hätten wir schon einen kompletten Zoo in unserer Wohnung bzw. Garten, unsere Wohnung wäre zudem ein Dschungel in dem wir uns von Liane zu Liane schwängen und ihr Kinderzimmer wäre ein Spieleparadies für sie und unsere Haustiere.

Jede neue Idee verfolgt sie mit größter Sturheit. Auf mein „Das ist nicht möglich“ entgegnet sie: „Ja, aber stell Dir vor, es wäre möglich.“ Ich fühle mich erschöpft, wenn ich nur daran denke. Et voilà, wir sind mittendrin:

Ich denke „Meine Tochter sollte nicht so stur sein, wenn sie wieder eine neue Idee hat. Sie sollte akzeptieren, dass viele ihrer Vorstellungen nicht umsetzbar sind.“

Byron Katie regt an, diesen Gedanken mit 4 Fragen zu überprüfen. Ich frage mich also:

  • Ist der Gedanke „Meine Tochter sollte nicht so stur sein“ wahr?
    Ja, denn ihr Eigensinn strengt mich an.
  • Kannst Du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
    Nein, das kann ich nicht. Denn meine Tochter ist von ihren Ideen überzeugt. Ihre Sturheit hilft ihr, einige ihrer Pläne umzusetzen. Aus ihrer Sicht ist ihre Beharrlichkeit sinnvoll.
  • Wie reagierst Du, wenn Du den Gedanken „Meine Tochter sollte nicht so stur sein,“  glaubst?
    Ich reagiere ablehnend und genervt auf Ihre Vorstellungen. Ich versuche, mich ihr zu entziehen. Ich höre nicht genau zu und fühle mich direkt erschöpft.
  • Wer wärst Du ohne den Gedanken „Meine Tochter sollte nicht so stur sein“?
    Ich wäre neugierig auf Ihre Ideen und würde sie für ihre Kreativität bewundern. Ich hörte ihr mit voller Aufmerksamkeit zu und verhielte mich ihr gegenüber klarer. Ich wäre nicht erschöpft.

Und jetzt schlägt Byron Katie vor, den ursprünglichen Gedanken umzukehren und zu erspüren, ob dieser Gedanke sich wahrer anfühlt. Meist gibt es mehrere Umkehrungen.  

Ich fühle sofort die für mich stimmige Umkehrung: „ICH sollte sturer sein, wenn mir wieder eine Idee durch den Kopf schwirrt“. Denn mehr Beharrlichkeit würde mich helfen, meine eigenen Pläne besser umzusetzen. Danke meine Finja 😊

Ich sehe in meiner Tochter einen Spiegel meiner selbst. Ich erkenne mich in meinen Gedanken über sie. Denn alles, was außerhalb unserer selbst passiert, ist eine Spiegelung unseres eigenen Denkens.

Byron Katies‘ Überprüfung The Work „zeigt uns, dass das, wovon wir denken, dass es nicht hätte geschehen sollen, geschehen sollte. Es sollte geschehen, weil es geschehen ist, und kein Denken in der Welt kann dies ändern. Das bedeutet nicht, dass wir es dulden oder befürworten. Es heißt lediglich, die Dinge ohne Widerstand und ohne die Verwirrung eines inneren Kampfes zu sehen.“ –aus „Lieben was ist“.

Herzlichst, Ihre Anna Kötting

PS: Auf der Seite http://thework.com/sites/deutsch/ finden Sie eine Kurzbroschüre und Fragenvorlagen zum Download. Byron Katie empfiehlt, die Fragen zunächst schriftlich zu beantworten, da unser Verstand uns viel zu schnell austrickst.

PPS: Lesen Sie auch „Warum wir besser vor der eigenen Türe kehren

Scroll to Top