Hochsensibilität und Beruf

Hochsensibilität und Beruf: Über die Angst vor dem ersten Schritt

Ich schiebe etwas vor mir her. Später, sage ich mir. Morgen vielleicht, wenn ich mehr Zeit habe. Vielleicht sollte ich es ohnehin besser noch einmal überdenken oder ein Buch darüber lesen.
Nein, es geht nicht um den Termin für eine Wurzelbehandlung, den ich vor mir herschiebe.
Es geht um etwas, das ich unbedingt machen möchte.

Kennen Sie das? Dieses Gefühl, das Sie zu etwas hinzieht. Sie möchten etwas Sinnvolles tun. Sich in diese Welt einbringen. Mit etwas, wofür Ihr tiefstes Inneres brennt. Und doch bleibt es immer nur bei diesem wagen Gefühl und Sie leben Ihr Leben gewohnt weiter.

Ich frage mich: Warum schieben wir Dinge vor uns her, die wir doch unbedingt machen möchten? Was hindert uns daran, den ersten Schritt auf unsere Wünsche zuzugehen?

„Ich muss mir sicher sein“

Wenn es um einen entscheidenden Schritt im Leben geht, hält uns so vieles zurück: Die Gewohnheit, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Unzählige Bedenken und Einwände, die gegen eine Veränderung sprechen: „Mit dieser Idee werde ich nicht genug Geld verdienen“ oder „Es gibt schon so viele Therapeuten, Schriftsteller, Cafébesitzer“.
„Ich muss mir erst sicher sein, dass es funktioniert“.
Und in unserem Gedankendschungel gibt es noch ein Gefühl, das uns davon abhält, endlich das zu tun, was uns erfüllt. Und das ist:

„Ich bin noch nicht fertig“

„Kann ich das? Reicht meine Ausbildung oder Qualifikation überhaupt aus? Genüge ich?“. Selbst wenn wir uns – vielleicht nebenberuflich – fortgebildet haben, nagt immer dieser Zweifel an uns: „Ich weiß noch nicht alles. Ich kann es noch nicht genug.“ Wir verschieben die Verwirklichung unserer Pläne immer weiter in die Zukunft und opfern sie unserem Perfektionismus. Aber wann werden wir jemals sagen können „Jetzt bin ich bereit“?

Ich möchte Maria Forleo zitieren, amerikanische Trainerin und Life Coach. Sie sagt:

„Start before you‘re ready“

Und diese Worte bringen es auf den Punkt: „Niemals werden wir wirklich bereit sein!“. Wichtig ist einzig und allein, dass wir überhaupt starten.

Schritt für Schritt

Eine ungewisse Zukunft macht uns Angst. Nicht zu wissen, was als nächstes kommt, kann zutiefst beunruhigen. Daher ist es wichtig, im Jetzt zu bleiben. Was kann ich jetzt tun? Ich kann niemals alles überblicken. Doch ich kann jetzt einen kleinen Schritt machen. Und andere Schritte werden auf ihn folgen. Gehen wir in Aktion und denken nicht immer nur über unserer Wünsche nach, zieht uns eine Kraft nach vorne. Wer auf dem Weg ist, trifft auf Menschen, die ihm weiterhelfen. Er findet Bücher oder Weiterbildungsangebote, die genau zu seinen Ideen passen. Vielleicht verändert sich die Vision auf dem Weg. Aber sie wird konkret!

Ein erster kleiner Schritt

Wünsche festzuhalten, sie sich einzugestehen und sie zu konkretisieren kann der erste Punkt auf Ihrer Liste für ein neues, erfüllendes Leben sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie einen Job-Wechsel anstreben, eine Weiterbildung machen wollen oder mit Ihrem Vorgesetzten über eine Veränderung Ihrer Position sprechen möchten.

Ich lade Sie ein: Nehmen Sie sich Zeit und lauschen der Sehnsucht:

  • Was ist Ihre Vision? Fassen Sie sie einmal in Worte und schreiben Sie sie auf.
  • Was wären die nötigen konkreten Schritte, um Ihre Vision zu verwirklichen? Schreiben Sie auch diese auf.
  • Welchen ersten kleinen Schritt können Sie heute gehen?
    Eine Online-Recherche, ein Telefonanruf, einen Austausch mit der besten Freundin?
    Ein Brainstorming für viele kreative Ideen?
  • Und was wäre der nächste Schritt?

Machen Sie sich doch einmal auf den Weg und schauen Sie, was er für Sie bereithält!

Ich habe heute auch einen Schritt gemacht. Ich habe meinen ersten Blogtext geschrieben. Vielleicht ist er nicht perfekt. Aber er ist mein erster kleiner Schritt in eine Reihe von Inspirationen rund um das Thema Hochsensibilität und mehr. Ich freue mich, wenn wir ein Stück unserer Wege gemeinsam gehen.

Ihre Anna Kötting

Sie möchten mehr über Hochsensibilität lesen? Dann könnten folgende Artikel Sie interessieren:

Hochsensibilität – Modebegriff, Krankheit oder Geschenk?

Eigenschaften hochsensibler Menschen nach E. Aron

Hochsensible Menschen im Kontakt

 

Scroll to Top