Mehr Raum für Gefühle

Vielleicht ergeht es Ihnen ähnlich: Ab und zu habe ich Momente, in denen möchte ich mich einfach nur verkriechen. Unter eine dicke Decke, in meinen Sessel. Nicht vor die Tür gehen und mich dem Leben dort draussen nicht stellen.

Manchmal gibt’s Auslöser für diese Gefühle, manchmal auch nicht. Meistens hilft mir

1.Mir die Zeit zu nehmen, meine Gefühle zu spüren und meine Gedanken aufzuschreiben,
2. Das Verstehen, dass die Gefühle von Niedergeschlagenheit, Sorge, Zweifel, Angst etc. sich wieder von mir lösen, wenn ich sie zulasse und fühle,
3. Viel trinken,
4. langer Schlaf

Dann sieht die Welt nach kurzer Zeit auch schon wieder heller und freundlicher aus und ich blicke wieder optimistisch nach vorne.

In unserem Alltag lassen wir uns häufig aber keinen Raum für unsere Empfindungen. Sie sollen uns in unserem vollgepackten Leben nicht aufhalten. Oder wir haben Angst unsere Emotionen zuzulassen, von ihnen überrollt zu werden und nicht mehr richtig zu „funktionieren“.

Wann nehmen wir uns mal Zeit und fühlen in Ruhe, wie es gerade in uns aussieht? Benennen das Gefühl, spüren es im Körper, drücken es in irgendeiner Form aus? Oder erzählen gar jemandem davon…

Wir sehnen uns nach schönen Gefühlen, wie Vertrauen, Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, Freude …. Diese Gefühle können wir nicht spüren, solange wir die gegenteiligen Emotionen wie Angst, Wut, Trauer in uns ablehnen.

Leid, Schmerz, Wut oder Kummer gehören aber zu unserem Leben dazu. Das betrifft uns alle. Wir haben uns im Laufe unseres Lebens (aus welchen berechtigten! Gründen auch immer) angewöhnt, diese Gefühle abzulehnen und zu verdrängen, um uns zu schützen. Um in einer Gesellschaft, die diese Gefühle mit Argwohn oder gar als Krankheit betrachtet, möglichst reibungslos zu funktionieren.

Dr. med. Christian P. Dogs schreibt in seinem Buch „Gefühle sind keine Krankheit“: „Je mehr Du gegen ein Symptom ankämpfst, desto stärker wird es. Das Ziel in der Therapie ist die Integration, nicht das Niederkämpfen von vermeintlich schlechten Gefühlen. Alle Gefühle sind in Ordnung und willkommen: gute und schlechte, helle und freudige, düstere und traurige.“

„Positive“ bzw. „negative“ Gefühle sind letztendlich die beiden gegenteiligen Pole einer Empfindung. Angst ist das Gegenteil von Vertrauen. Traurigkeit das Gegenteil von Freude.

Durch das bewusste Fühlen und Annehmen von Angst oder Traurigkeit verliert diese Emotion ihre Wucht und es entsteht Raum für mehr Vertrauen bzw. Freude.

Mehr Vertrauen, Momente der Freude und die Verbundenheit mit meinen Mitmenschen: Ich möchte mich immer wieder neu dafür entscheiden – vor allen jetzt in diese Zeiten.

Herzlichst,

Ihre Anna Kötting

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