Blogbild von Psychotherapeutin Anna Kötting zeigt einen Rahmen als Symbol für Lösungsorientierte Beratung

Wie eine Veränderung der Wahrnehmung schon eine Lösung sein kann

Eine gute Freundin bat mich heute um Rat. Es ging um ihren jungen Hund. Wobei ich in Sachen Hundeerziehung sicherlich nicht die richtige Ansprechpartnerin bin. Unser Hund Fiete hat mich echt ne Menge Nerven gekostet.

An einem Samstag vor ein paar Jahren hatte ich zum Frühstück ein paar Freundinnen eingeladen. Alles war vorbereitet, der Tisch gedeckt. Ich musste nochmal schnell los, um eine Kleinigkeit einzukaufen. Meine Tochter begleitete mich und wir ließen den damals noch jungen Fiete für eine halbe Stunde allein.

Als wir zurückkamen, begrüßte uns Fiete voller Freude. Seine sonst schwarzen Beine waren schneeweiß. Er sah aus, wie der gestiefelte Kater, nur umgekehrt. Schwarzer Hund mit weißen Beinen. Eine weiße Spur führte quer durch die Wohnung bis in die Küche.

Kurzum: Ihm war es gelungen, eine der unteren großen Küchenschubladen mit seiner Schnauze aufzuziehen und den kompletten Inhalt herauszureißen (bzw. zu fressen). Die Küche sah aus, wie ein weißes Schlachtfeld: Mehl, Zucker, Nudeln, Kokosflocken, Reis, Chiasamen, Hirse …alles klebte am Boden, dazwischen zerfetzten Verpackungen …. Und mein Besuch sollte in wenigen Minuten klingeln.

Ich erinnere mich, wie meine Tochter nur meinte: „Oh Mann, da hatte Fiete aber Spass.“ Und der Hund sah mich so glücklich an, als wolle er mir sagen: „Schau mal, was ich alles Tolles gefunden habe“.

Und ja, vielleicht hat deswegen die Hundeerziehung so lange gedauert, aber ich konnte ihm einfach nicht böse sein. Aus seiner Sicht hatte er sicherlich aufregende 30 Minuten erlebt.

Eine neue Sichtweise

Erleben wir eine problematische Situation, dann ist dieses „mit anderen Augen sehen“, das Problem aus einer veränderten Perspektive zu betrachten, häufig die Lösung. Oft braucht es nicht mehr als eine kleine Veränderung der Wahrnehmung, eines Gedankens oder eines Gefühls.

Die lösungsorientierte Beratung spricht hier von Refraiming.

Beim Refraiming verändern wir unsere Betrachtung vom Problem. Wir sehen es aus einer anderen Perspektive und erleben so die problematische Situation anders.

Ein einfaches Beispiel: Ich kann mich weiter darüber aufregen, wie meine Tochter immer wieder ihre Hausaufgaben bis in den frühen Abend vor sich herschiebt und sie dann in letzter Minute erledigt … Ich kann aber auch ihre Gelassenheit bewundern, wie sie unbeeindruckt von ihren anstehenden Hausaufgaben den Nachmittag mit den Dingen verbringt, die ihr Freude bereiten. ….

Zugegeben: Letzteres klappt nicht immer. Aber wenn es mir gelingt, dann fühle und verhalte ich mich entspannter. Dann erlebe ich schönere Momente mit meinen Töchtern.

Unsere Erwartungen an uns selbst hinterfragen

Häufig entstehen unsere Probleme durch völlig überzogene Erwartungen an uns selbst. Wir meinen, wir müssten immer funktionieren und allen Anforderungen gerecht werden. Unser Leben fest im Griff haben und dabei stets ausgeglichen bleiben.  Gelingt uns das nicht, fühlen wir uns unzureichend und wir verurteilen uns selbst. Es kostet Kraft, auf Dauer eine „Alles Gut“-Fassade aufrecht zu halten. Kein Wunder, dass wir uns immer erschöpfter und deprimierter fühlen.

Eine erste Lösung im Sinne eines Refraimings wäre hier: Unsere unrealistischen Erwartungen an uns selbst über Bord zu werfen. Uns zu verzeihen, dass wir (Gott sei Dank) keine funktionierenden Maschinen sind, sondern fühlende Menschen, die ihr Leben bestmöglich meistern.  Und uns mit einem sanfteren Blick zu betrachten, wenn wir auch schon mal straucheln.

Wofür könnte das Problem gut sein?

Abschließend: Manchmal hilft es, eine problematische Situation nicht länger zu bekämpfen, sondern sich zu fragen: Wofür könnte das Problem gut sein? Was ermöglicht das Problem? Selbst wenn wir den Sinn noch nicht erkennen, so könnte er zumindest schon einmal darin liegen, dass wir erkennen, dass eine Veränderung notwendig ist.

Vereinbaren Sie einen Beratungstermin. Ich freue mich auf Sie.

Herzlichst,

Ihre Anna Kötting

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